„Bei −40 °C erkennst du, was wirklich funktioniert.“ Angiolinos arktischer Test als Vorbereitung auf die Antarktis.
Nach seiner Rückkehr aus Lappland trafen wir Angiolino: zehn Tage bei −30 bis −40 °C, mit Skiern, Schlitten, Polarlichtern und schlaflosen Nächten gegen Unterkühlung. Der Athlet, Entdecker und 75°06’S Ambassador erzählte von Kittiläs erstem Frost bis zum letzten finnischen Sonnenuntergang mit seiner Partnerin.

Ankunft in Kittilä: „Die Kälte trifft dich, bevor du den Koffer öffnest“
Angiolino lächelt mit der Ruhe eines Menschen, der Unbehagen kennt. „Das war keine normale Kälte. Eine Anomalie arktischer Strömungen hatte wochenlang −30 bis −40 °C gebracht.“ Nach der Ankunft erkundete er GPS-Routen, bereitete die Schlitten vor und kaufte letzte Vorräte. An seiner Seite war Stefano, @unitalianoinlapponia, ein wertvoller örtlicher Guide in einem Gebiet, das keine mangelnde Vorbereitung verzeiht.
Nationalpark Pallas-Yllästunturi: Neuschnee, Eis und erste Hindernisse
Die ersten Tage stellten ihn sofort auf die Probe. Richtung Ylläs wechselten Höhenunterschiede, anspruchsvoller Neuschnee, tückisches Eis und Abfahrten mit beladenen Schlitten. „Der arktische Wind auf den schmalen Wegen war ein ständiger Gegner“, sagt Angiolino.
Die erste Nacht veränderte alles: Schlaf war bei diesen Temperaturen unmöglich. Richtung Hetta fand Angiolino einen offenen Notunterstand mit Feuerstelle und Holz. „Ich blieb wach, um Unterkühlung zu vermeiden. Das ist kein Heldentum, sondern das, was notwendig ist.“
Abseits der Spur: Training ohne falsche Sicherheit
Am nächsten Tag verließ Angiolino die vorgegebene GPS-Spur und erschloss eigene Wege. „Wer sich auf eine Antarktisexpedition vorbereitet, darf sich nicht auf markierte Wege verlassen. Man muss die Tundra lesen und verstehen.“
Die nächsten fünf Tage führten vollständig durch den Nationalpark: gefrorene Seen, silberne Birken und kilometerlange stille Tundra. Eine selten schöne Landschaft.
Der entscheidende Test: tagelanger Einsatz von 75°06’S bei extremer Kälte
Mehrere Tage Dauereinsatz, intensive Belastung, konstant unter −30 °C und kaum echte Pausen: Unter diesen Bedingungen wurde 75°06’S Bekleidung geprüft. „Ein realer Test ohne Spielraum“, sagt Angiolino. Sein Urteil ist klar.
• Stabile Temperaturregulierung: Die Körpertemperatur blieb auch beim Wechsel zwischen intensiver Anstrengung und erzwungenen Pausen im Frost stabil.
• Schweißmanagement: "„Bei extremer Kälte ist Schwitzen ebenso gefährlich wie Frieren.“ Die Belüftung funktionierte auch bei hoher Belastung und verhinderte Feuchtigkeitsansammlungen.
• Kompatibilität mit dem Zugharness: Stundenlanges Schlittenziehen beeinträchtigte weder Beweglichkeit noch Tragekomfort. Ein entscheidendes Detail auf Expedition.
• Außentaschen: "„Telefon, GPS und Kamera funktionieren bei diesen Temperaturen nach wenigen Minuten im Freien nicht mehr.“ Die großen Außentaschen schützten die Technik und hielten sie griffbereit.
Der menschliche Motor: 800 kcal pro Stunde, 5 Liter Wasser, zwei Schlitten
Eine Arktisexpedition ist ein System, in dem Ernährung, Ausrüstung und Rhythmus präzise aufeinander abgestimmt sind. Angiolinos Energiebedarf beim Marsch beträgt etwa 800 kcal pro Stunde, mit drei Hauptmahlzeiten und fünf Litern Wasser mit Mineralstoffen. „Unter diesen Bedingungen läuft der Körper auf Hochtouren. Du darfst ihn nicht auf Reserve laufen lassen.“
Zwei Schlitten haben unterschiedliche Aufgaben: Kleidung, Zelt, Schlafsack und Matte im ersten; Nahrung, Kochgeschirr, Kocher, Notfallset, Schaufel und Schneeschuhe im zweiten. Zur Entlastung der Gelenke wechselt Angiolino zwischen breiten Trab-Skiern mit synthetischen Fellen und langen Strecken in Alfa-Stiefeln.
Flache Tundra, Rentierspuren und Nächte unter Polarlichtern
In der flachen Tundra ähnelt die Landschaft zunehmend der Antarktis: gerade Strecken, Wildtierspuren und gelegentliche Begegnungen mit Rentieren. „Diese weiße, stille Weite ohne Orientierungspunkte ist genau das Gefühl, mit dem ich umgehen lernen möchte.“
Und dann die Nächte: „Unter einem Polarlicht zu biwakieren lässt sich kaum beschreiben. Grünes und violettes Licht zieht lautlos über den Himmel und du verstehst, warum du das tust.“
Die unsichtbare Dimension: Stille, Einsamkeit und die Universität Turin
Nicht alles lässt sich in Grad oder Kilometern messen. „Lange Stille und Einsamkeit sind weit vom Alltag entfernt. Sie verlangen innere Arbeit, die wie Muskeln trainiert werden muss.“ Die psychologische Seite der Expedition wurde deshalb von der psychologischen Fakultät der Universität Turin begleitet. Das Protokoll wird in den nächsten Vorbereitungsphasen fortgesetzt.
Die Bilanz: was funktioniert hat und was verbessert wird
Nach Lappland hat Angiolino klare Vorstellungen: Manches funktionierte sehr gut, anderes braucht körperlich und technisch Feinschliff. „Genau dafür trainiert man.“
Die letzten drei Tage verbrachte er mit seiner Partnerin Donatella und lernte ein anderes Finnland kennen. „Jede Expedition kehrt, so einsam sie auch ist, zu jemandem zurück.“

75°06’S ist technischer Sponsor von Angiolino, Athlet und Entdecker in Vorbereitung auf eine Antarktisexpedition. Die beim Lapplandtraining eingesetzte Bekleidung wurde für Bedingungen polarer Expeditionen entwickelt.
